Die Tyrrell – Jahre 1978 / 79
Im November 1977 verkündete das Elf-Tyrrell Team, daß Didier Pironi der Teamkollege von Patrick Depailler für die Saison 1978 sein würde. Ken Tyrrell war bereits Mitglied der 'Pilote Elf' Jury im Jahre 1972 als Didier die begehrte Trophäe gewinnen konnte. Didiers Sieg beim Formel 3 Grand Prix von Monaco sowie sein dritter Platz in der Formel 2-Europameisterschaft (hinter Rene Arnoux und Eddie Cheever) überzeugten ihn endgültig, Didier in die Formel 1 zu hieven.

Nach zwei Jahren mit dem spektakulären sechsrädrigen P34 kehrte das Tyrrell Team zu einer konventionelleren Bauweise zurück, dem Tyrrell-Ford 008. Die Medien und die Öffentlichkeit hatten einen Turbomotor, sechs oder gar acht Räder erwartet, aber das einzig Ungewöhnliche am 008 waren elektronische Messinstrumente des Amerikaners Karl Kempf, eine Art Vorläufer der heutigen Telemetrie.
Die Saison begann sicherlich nicht so, wie Didier es sich erhofft hatte, während er sich als 23. qualifizierte, stand Depailler auf Startplatz 10 und ihm gelang es sogar, als Dritter zusammen mit Andretti und Lauda auf dem Podium zu stehen, während Didier als 14. eintrudelte. Aber schon beim nächsten Rennen in Brasilien gelang es ihm, mit einem sechsten Platz den ersten Weltmeisterschaftspunkt einzufahren.

Die nächste Station der WM war Kyalami, Südafrika, und Didier fuhr ein unauffälliges Rennen und brachte abermals einen Punkt nach Hause. Außerdem, und das mag sogar bedeutender gewesen sein, war es ihm gelungen, den Abstand zu seinem erfahrenen Teamkollegen nahezu zu egalisieren. Aber die Tyrrell hatten Probleme. Man war bei weitem nicht da wo man es sich zu Beginn der Saison erhofft hatte. Ständige Wechsel zwischen Übersteuern und Untersteuern machten aus dem 008 ein schwierig zu beherrschendes Fahrzeug, das aber immerhin zuverlässig schien. In Monaco folgte der erste Sieg für Depailler und ein hervorragender fünfter Platz für Didier nach rundenlangem Kampf mit Riccardo Patrese, der jedoch keine Chance zum Überholen bekam. Gerade dieser Grand Prix machte aber deutlich, daß Depailler eindeutig der Nummer Eins Fahrer war, denn Didier war zunächst nicht qualifiziert, errang jedoch, nachdem er Depaillers Qualifikationsreifen benutzen durfte, einen 13. Startplatz. Diese Praxis war den Teams von Good Year zwar eigentlich untersagt worden, doch niemand konnte schließlich verhindern, daß im Eifer des Gefechts ein paar Reifen 'verwechselt' wurden...
Der Rest der Saison verlief bis zur Kollision mit Ricardo Patrese beim Großen Preis von Holland in Zandvoort eher unspektakulär. In Monza konnte er zwar erstmals das Traingsduell gegen Patrick Depailler für sich entscheiden, den besseren Startplatz konnte er aber nicht ausnutzen. Am Start kam es zu einer wahrscheinlich erneut von Patrese im Arrows ausgelösten Massenkollison, der auch die beiden Tyrrell zum Opfer fielen. Viel schlimmer war jedoch, daß Ronnie Peterson bei diesem Unfall sein Leben ließ und Vittorio Brambilla schwer verletzt wurde. Beim zweiten Start mußte Didier dann das Ersatzauto seinem Teamkollegen überlassen.

Insgesamt holte Didier in der Saison 1978 sieben Punkte. Wenn er einmal nicht ins Ziel kam, waren entweder technische Gebrechen oder aber andere Fahrer wie z.B. Patrese daran schuld. Inzwischen hatte auch das Fahrerkarussell für die Saison 1979 angefangen sich zu drehen. Elio de Angelis wurde bereits als Tyrrell- Pilot gemeldet, Didier mit Renault in Verbindung gebracht, Jean-Pierre Jarier sollte als Peterson-Ersatz zu Lotus gehen. Es wurde sogar gemeldet, daß Renault Didier schon aus seinem Tyrrell-Vetrag herarausgekauft haben sollte. Letztlich mußte Didier aber bei Tyrrell bleiben, während Renault seinen alten Rivalen René Arnoux engagierte.

Didier dazu und zu seiner ersten Saison in der Formel 1:

"Renault und Ken Tyrrell wurden sich wegen der Ablösesumme nicht einig. So pochte Ken eben auf die Erfüllung meines Zweijahresvertrags. Weltuntergangsstimmung herrscht bei mir deshalb keine. Meine Karriere ist noch nicht zu Ende und die von Renault auch nicht. Ich habe bei Tyrrell ein echtes Lehrjahr hinter mir. Dennoch bin ich nicht ganz zufrieden. Der Tyrrell 008 war eine Fehlkonstruktion, aber in einigen Rennen hätte ich mehr erreichen können. Ich beging einige Fehler, die wohl meiner Jugend zuzuschreiben sind.
Im Dezember 1978 wurde nach langem Hin und Her bekanntgegeben, daß die neue Nummer 1 bei Tyrrell Jean-Pierre Jarier heißen würde. Zwar sollten offiziell beide Fahrer gleichgestellt sein, doch die Aussage von Ken Tyrrell "Wenn Jean-Pierre auf die Bezeichung 'Nummer Eins' wert legt, dann soll er sie haben..." bedeutete doch mehr, als er zugeben wollte.

Das Tyrrell Team hatte ein Problem: Der Hauptsponsor, die 'First National City Bank', hatte sich aus dem GP Sport verabschiedet und es war nicht gelungen, einen Ersatz aufzutreiben. Das Auto für die neue Saison, der Tyrrell 009, war die wahrscheinlich beste Kopie des in der 78er Saison siegreichen Lotus, zumindest in optischer Hinsicht. Von Tyrrell wurde daher in dieser Saison wenig erwartet, aber es begann noch schlechter.

Schon im Training zum Großen Preis von Argentinien verlor Jarier seinen Heckflügel und segelte von der Bahn, im Rennen wurde dann Didier in eine Massenkollison verwickelt, die von Scheckter und Watson ausgelöst wurde. Mangels Ersatzwagen wurde Didier so zum Zuschauer degradiert. Doch schon in Interlagos verkehrte sich die Lage ins genaue Gegenteil.
Ein vierter Platz für Didier Pironi, seine bisher beste Plazierung in einem Formel 1 Rennen.

Als wenn dies zuviel des Guten gewesen sein sollte kam der Dämpfer schon im nächsten Rennen in Kyalami. Zehn Minuten vor dem Ende des Abschlußtrainings brach am Tyrrell mit der Nummer drei in einer über 200 km/h schnellen Linkskurve das hintere rechte Rad weg. Der Wagen knallte mit voller Wucht in einen Erdwall und wurde völlig zerstört. Didier konnte sich selbst befreien, erlitt dann jedoch einen Schock und mußte sich ins Gras legen. Hans-Joachim Stuck, der angehalten hatte, um Didier zu helfen sagte: "Wie Phönix aus der Asche kraxelte er aus den Trümmern" . Im Rennen kämpfte er trotzdem wacker mit bis er mit defektem Gasgestänge aufgeben mußte.

Long Beach bedeutete einen weiteren Tiefpunkt als ein übereifriger Jan Lammers Didier abschoss.

Inzwischen war Tyrrell endlich die finanziellen Sorgen losgeworden - der italienische Haushaltsgerätehersteller CANDY hatte sich einen Zweijahresvertrag drei Millionen Dollar kosten lassen. Dadurch gestärkt konnte Didier in Zolder seinen ersten Podestplatz herausfahren, hiner Scheckter und Laffite erreichte er Platz drei.
Ganz anders der Rennverlauf in Monaco. Didier ist als siebster qualifiziert, eine gute Ausgangsposition, und Didier fährt wie entfesselt, leider mit keinem guten Ende. Zuerst touchiert er Laffites Ligier, dann den von Depailler und in der 20. Runde versucht er schließlich, Lauda bei Mirabeau auszubremsen. Doch er verschätzt sich, knallt in den Brabham und landet schließlich selbst in den Leitplanken.

Die nächste Schrecksekunde ließ nicht lange auf sich warten, denn im Traing zum GP Frankreich in Dijon brach ein weiteres Mal ein Rad ab, diesmal in einer Linkskurve bei ca. 230 km/h. Der Wagen wurde beim Aufprall in Höhe des Lenkrads in zwei Stücke gerissen, Didier entstieg dem Wrack auch diesmal unverletzt. Auch im Rennen wurde sein Einsatz durch einen Aufhängungsschaden vorzeitig beendet. Beim GP Deutschland bekam Didier überraschend einen neuen Teamkollegen, den jungen Engländer Geoff Lees. Stammfahrer Jarier hatte sich eine Viruserkrankung zugezogen.

In der Zwischenzeit tauchten erste Gerüchte auf, daß Didier in der kommenden Saison für Ligier fahren würde, er soll aber auch bei Lotus im Gespräch gewesen sein. Beim nächsten Lauf in Zeltweg wurde der Tyrrell mit der Nummer vier schon wieder mit einem anderen Fahrer besetzt, dem Iren Derek Daly. Obwohl Jarier sich wieder gesund fühlte bekam Daly grünes Licht. Er machte seine Sache nicht schlecht und belegte hinter Didier den achten Platz. In Zandvoort verlor Didier einen sicheren dritten Platz, abermals durch eine gebrochene Aufhängung. Die Zuverlässigkeit der vergangenen Saison war dahin. Zwei weitere Punkte folgten in Montreal und zum Saisonende gab es bei Tyrrell in Watkins Glen noch einen spektakulären Zwischenfall. Jarier und Daly, der einen dritten Tyrrell fuhr, kollidierten. Didier dagegen fuhr mit seinem dritten Platz auf's Podium und das war's dann mit Didier Pironis Jahren bei Tyrrell.

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