Didier Pironi gewinnt das Formel 3 Rennen in Monaco 1977, seinen einzigen Auftritt in dieser Klasse.

Dieser Artikel von Quentin Spurring wurde ursprünglich unter dem Titel “Didier blows them away” veröffentlicht, ich habe ihn aus dem Englischen übersetzt und ein wenig gekürzt.

In der Vergangenheit kam es oft vor, dass der Gewinner des Formel 3 Rennens in Monaco bereits die ganze Veranstaltung dominiert hatte, so auch letzten Samstag (Mai 1977). Didier Pironi, der dieses Jahr direkt aus der Formel Super Renault in die Formel 2 umgestiegen war, fuhr sein erstes und vermutlich auch einziges F3 Rennen seiner sicherlich glanzvollen Karriere und mit seinem neuen Martini Mk 21 der Ecurie Elf war er eine Klasse für sich. Pironi fuhr mit einer geradezu unheimlichen Präzision und überließ es seinen Herausforderern, über einander her zu fallen als sie vergeblich versuchten, Schritt zu halten. Das Rennen wurde durch besonders wildes Fahren beeinträchtigt, was dem Ruf der Formel 3 insgesamt sicher nicht gut getan hat. Von den 20 Gestarteten wurden 13 Wagen bei Unfällen beschädigt, nur sieben erreichten überhaupt das Ziel.

Der Trainingsschnellste Piercarlo Ghinzani fuhr sich bei einem Überholversuch an Pironis Hinterrad die (Fahrzeug-) Nase ab und fiel später ganz aus, so dass sein italienischer Landsmann Elio de Angelis (Trivellato Chevron) als Zweiter vor Anders Olofsson (Polar Caravans Ralt) ins Ziel kam.

Die britischen Herausforderer traten nie in Erscheinung, weil sowohl Stephen South und Derek Daly wie auch die Chevron Werksfahrer Geoff Lees und Eje Elgh mit beschädigten Fahrzeugen ausfielen. Alle vier waren zwar äußerst konkurrenzfähig, aber in Monaco muss man vor allem auch ins Ziel kommen.

Training

Dem Automobil Club von Monaco kann man zwar nicht vorwerfen, Motorsport auf seine ganz eigene Weise zu betreiben, aber es war schon ungeheuerlich 64 Teilnehmer für die Qualifikation zu einem Formel 3 Rennen mit 20 Startplätzen zu akzeptieren, in diesem Jahr ein Lauf der BP Meisterschaft. Es war das 19. Mal, dass im Rahmenprogramm eines Grand Prix eine F3 oder Formel Junior Veranstaltung statt fand und in den letzten beiden Jahren wurden zwei Vorläufe und ein Finale gefahren was die Reise ins Fürstentum für die meisten Heißsporne die Mühe wert machte. Dieses Jahr beugten sich die Veranstalter allerdings dem Druck der Formula 1 Constructors Association, die am Samstag zwei F1 Trainingssitzungen wollten, wodurch keine Zeit für die üblichen F3 Läufe blieb. Natürlich wollte man auch die Super Renault und die Renault 5 nicht ausfallen lassen, aber es war auch einfach geankenlos, so viele Anmeldungen zu akzeptieren, selbst wenn man über 140 Bewerbungen hatte...

Die 64 Wagen wurden für das Zeittraining in zwei Gruppen aufgeteilt und jede Gruppe hatte eine 40 Minuten Traingssitzung am Donnerstag und eine 80 Minuten Session am Freitag Morgen. Nur die gefahrenen Zeiten waren für die Startaufstellung maßgeblich, wechselnde Streckenverhältnisse wurden also nicht berücksichtigt, aber glücklicherweise waren die Bedingungen für beide Gruppen weitgehend gleich.

Der Führende der Europäischen F3 Meisterschaft, Piercarlo Ghinzani, stellte seinen Allegrini March 773 souverän auf die Pole, 0.33s vor dem Rest des Feldes. Neben guter Teamarbeit und seinem offensichtlichen Talent profitierte Ghinzani auch von einem besonders schnellen Toyota/Novamotor und durch die fehlerfreie Fahrt des 24 jährigen konnte man bei March wenigsten einigermaßen das Gesicht wahren, denn von ihren vier Wagen konnte sich nur einer qualifizieren.

Vor lauter Siegerhunger pour la gloire de la France, hatte Hughes de Chaunacs Ecurie Elf Mannschaft ihr junges F2 Ass Didier Pironi im Cockpit des neuen Martini MK21, der in seinen ersten beiden Rennen von Dany Snobeck gefahren worden war, dessen FSR Verpflichtungen (Formel Super Renault) für das Team aber Vorrang hatte. Pironi – der Sieger der beiden vorigen FSR Rennen in Monaco – war in Magny-Cours 30 Runden in dem Wagen gefahren und dem FSR – basierten Mk 21 viel Potential bescheinigt. Der Wagen wirkte im Training sehr sanft, aber, wie Chaunac sagte, “Wir könnten es noch viel weiter treiben, aber wozu ? Wir stehen in der ersten Reihe, also läuft der Wagen offenbar ganz gut.” Ja, in der Tat.

Nur wenig langsamer als “Babyface” Pironi war der erste der beiden Chevron des italienischen Trivellato Teams, die es geschafft hatten, insgesamt drei ihrer vier Wagen zu qualifizieren. Nach einem Unfall auf nasser Strecke bei St. Devote konnte sich Elio de Angelis in seinem B38 einen Tick besser als Ghinzanis schärfter Herausforderer in der Europäischen Serie, Anders Olofsson im von Polar Caravans unterstützten Ralt.

Dahinter kam Eje Elgh im Werks - Plastic Padding - Chevron vor einem weiteren beeindruckenden Schweden, Stefan Johansson.

Das Rennen

Pironi hatte den besten Start und blieb vor St Devote mit Nachdruck auf seiner Linie während sich das Feld hinter ihm in die Schikane warf. Bergauf Richtung Casino hielt der Zweitplatzierte Ghinzani Olofsson hinter sich, mit Johansson im Argo als bedrohlichem Drittem im Bunde. Elgh war schwach gestartet und auf den siebten Platz abgerutscht, noch hinter de Angelis amd Gabbiani in den Trivellato Chevrons.

Weiter hinten im Feld suchten sich Daly und Brancatelli ihren Weg nach vorn, wobei sie bei Mirabeau aneinander gerieten, als der italienische F2 Fahrer beim Versuch, den Iren innen zu überholen, zu spät bremste. Der Ralt sprang über eines von Dalys Rädern, danach verlor Brancatelli fast eine Runde, weil er mit plattem linken Vorderreifen langsam an die Box fahren musste.

Pironi hielt einen kleinen Vorsprung, weil Ghinzani durch Olofssons ständige Überholversuche aufgehalten wurde, allerdings konnte der Franzose nicht soviel Vorteil daraus ziehen wie er es gewollte hätte, denn zu Anfang des Rennens lief der Martini mit einer Wassertemperatur von nur 40 Grad, so dass der Motor nicht so gut wie im Training, sondern mit 300 Umdrehungn weniger lief.

In der dritten Runde büßte Olofsson seine Nase an Ghinzanis Hinterrädern ein und in der Folge begann sein Ralt zu überhitzen, so dass Ghinzani sich wieder ein wenig absetzen konnte. Ohne den Druck schloss er wieder zum Führenden auf und in der fünften Runde hatte Percarlo Pironi bei Portier eingeholt. Anstatt abzuwarten versuchte er sofort vorbei zu gehen, bremste aber viel zu spät und fuhr sich an einem der Hinterräder des Martini die Nase ab. Er fuhr weiter, aber deutlich langsamer und geriet so wieder in die Klauen von Olofsson.

De Angelis erwischte Olofsson als der Schwede gerade wieder mit dem angeschlagenen March von Ghinzani herumschlug und innerhalb von zwei Runden war er an beiden vorbei und richtete sich auf dem zweiten Platz ein, sechs Sekunden hinter dem Führenden. Pironi fuhr äußerst elegant, der Martini wurde im Gegensatz zu den meisten anderen Wagen nie einer so harten Behandlung an den Randsteinen unterworfen. Als sein Motor langsam aber sicher wieder höher zu drehen begann, konnte er sich leicht von de Angelis absetzen und hatte zehn Runden vor Schluss uneinholbare neun Sekunden Vorsprung. Der Italiener, der seinen Chevron in der vergeblichen Hoffnung darauf, die Lücke schließen zu können, um den Kurs geprügelt hatte, sah die Sinnlosogkeit seiner Jagd ein und nistete sich auf dem zweiten Platz ein.

Olofsson konnte keinen Weg an Ghinzani vorbei finden und war nach der halben Distanz noch immer auf dem vierten Platz, während Johansson immer noch Fünfter war, dafür fehlten Elgh und Gabbiani. Der Letztere The latter begann, bei seinen wilden Überholversuchen beim Plastic Padding Chevron anzuklopfen und stieß Elgh schließlich an der Bahnhofskurve in die Leitplanke, fuhr ihm über das linke Hinterrad und krachte wieder herunter. Gabbiani fuhr weiter und kam in einem Furcht einflößenden Manöver bei St.Devote sogar an Johansson vorbei, aber in all dem Chaos hatte er sich einen Reifenschaden eingefangen. Er fuhr an die Box und seine Mechaniker wechselten das Rad, aber Beppe entschied sich nicht weiter zu fahren.

Als sie den Starz March bei der Anfahrt zu der schnellen Linkskurve am Casino überrundeten, wählte Ghinzani die falsche Seite und Olofsson ging vorbei als der March die Absperrungen traf und ratternd zum Stillstand kam. Der Schwede übernahm einen sicheren dritten Platz, aber der Ralt war nach einem früheren Kontakt mit Ghinzanis March nicht mehr derselbe, das Fahrverhalten auf den Buckeln war schlecht, weil die Spur verstellt war, so hatte er keine Chance, de Angelis, geschweige denn Pironi, einzuholen.