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Im Oktober 1980 wurde Didier von Enzo Ferrari und Mauro Forghieri empfangen
und konnte die ersten Runden auf der Ferrari-eigenen Rennstrecke Fiorano in
einem alten T5 drehen. Warum war er zu Ferrari geangen wo doch bei Ligier
sein Stern aufgegangen war ?
"Bei
Ferrari wird es keine Nummer Eins geben, sondern zwei gleichgestellte Piloten
mit identischen Voraussetzungen."
Eine
Option von Ferrari hatte Didier schon im März unterschrieben, zu einem
Zeitpunkt also, als die Ligier absolute Top-Wagen waren. Warum ?
"Nun,
es war ja nur eine Option und noch nicht der endgültige Vertrag, die
endgültige Entscheidung habe ich erst viel später getroffen - das ist die
Wahrheit. Ligier hat mir im vergangenen Jahr einen hervorragenden Wagen
gegeben. Aus der Sicht der Aerodynamik und vom Chassis her wahrscheinlich den
besten. Es gibt auch keinen Zweifel, daß Ligier eines der besten Teams
überhaupt war. Aber: Wie sieht das 1981 aus ?"
Trotzdem
hatte Didier es bei Guy Ligier nicht immer leicht gehabt, zum Beispiel beim
Großen Preis von England. Bei beiden Ligier waren die Felgen gebrochen,
Laffite hatte einige Fangzäune vernichtet, Didier blieb mit plattem Reifen
stehen.
"Als ich an die Box zurückkam" schildert Didier die
Situation, "stand Guy Ligier inmitten einem ganzen Heer französischer
Journalisten. Und denen erzählte er, einer seiner Piloten hätte heute
gewonnen, wenn sie etwas mehr Hirn hätten, etwas vorsichtiger fahren, nicht
immer über die Randsteine räubern und mit dem Fahrzeug etwas sanfter umgehen
würden. Was hätte ich da tun sollen ? Ich bin einfach weiter gelaufen. Aber
von diesem Moment an habe ich mit Gedanken über meine Zukunft
gemacht..."
Im
November 1980 veranstaltete Ferrari Testfahrten mit dem neuen Turbo in Imola.
Dabei hielten sich die Zeiten von Villeneuve und Pironi etwa die Waage. Im
Januar testete Ferrari in Le Castellet einen Comprex-Druckwellenlader anstatt
des KKK-Turbo. Didier war mit dem Comprex-Lader mehr als eine Sekunde pro
Runde schneller als mit dem Turbo.
Die
Saison begann mit einem Rennen in Kyalami, das jedoch noch nicht zur WM
zählte und dem deshalb die Teams von Ferrari, Renault, Talbot, Osella und
Toleman fernblieben. Letztlich trat man zum Saisonauftakt aber doch mit dem
Turbo an, konnte die zusätzlichen Tests aber nicht in zählbare Ergebnisse
umsetzen. In Long Beach gab es einen Totalausfall, Didier mit Motorschaden,
Villeneuve mit gebrochener Antriebswelle. Keine Punkte gab es auch in
Brasilien, dieses Mal jedoch schied Villeneuve mit defektem Turbolader aus,
während Didier nach einer Kollision mit Alain Prost im Renault aufgeben
mußte. Eine weitere Nullrunde folgte in Buenos Aires. Didier ereilte schon in
Runde drei ein Motorschaden und Villeneuve zerstörte wie schon im Warm-Up
seinen 126 C. In Italien schätzte man Villeneuve zwar wegen seiner
Schnelligkeit, seines Kampfgeistes und seines Einsatzes, doch man sagte auch
vermehrt, daß Villeneuve der teuerste Weltmeister würde, wenn er es jemals
schaffte. Ein Hoffnungsschimmer in Imola - Villeneuve holte die Pole, doch
Didier mit Platz fünf die ersten Punkte, während Gilles sich mit den Reifen
verspekulierte. Didier hätte sicher gewonnen, wäre er nicht über einen
Randstein gerutscht und hätte dabei eine Schürze beschädigt.
Dann
kam das schwarze Wochenende von Zolder 1981. Am Freitag war der
Osella-Mechaniker Giovanni Amadeo in der völlig überfüllten Boxengasse von
Calos Reutemann angefahren und schwer verletzt worden. Dieser Unfall
veranlaßte die Mechaniker, gegen die unzumutbaren Umstände ihres Berufes zu
protestieren, indem sie den Start des Rennens verzögerten und sich auf der
Zielgeraden aufstellten. Die meisten Fahrer, unter ihnen auch die
Ferrari-Piloten, kletterten aus ihren Cockpits, um Solidarität zu
demonstrieren. Nach fünf Minuten war die Demonstration zu Ende und nun beging
der Veranstalter einen großen Fehler, er liess die Wagen auf die Aufwärmrunde
und das, obwohl noch nicht alle Fahrer von der Demonstration zu ihren Autos
zurückgekehrt waren. Das Chaos war perfekt, einige Fahrer fuhren los, andere
Wagen waren noch nicht besetzt. Als die ersten Fahrer aus der
Informationsrunde in die Startaufstellung fuhren und die Motoren wegen der
Überhitzungsgefahr abstellten, gab Derek Ongaro, der FISA-Mann, der jeden GP
startete, das Rennen plötzlich frei. Zu diesem Zeitpunkt waren noch nicht
einmal alle Wagen auf ihren Startplätzen eingetroffen, mehrere Helfer
befanden sich noch auf der Piste. So auch Dave Luckett, ein
Arrows-Mechaniker, der damit beschäftigt war, den Wagen von Patrese zu
starten. Einige Fahrer schafften es, um den stehenden Arrows herumzukurven,
nicht aber Patreses Teamkollege Siegfried Stohr. Er knallte voll beschleunigt
in Patreses Heck und in den Mechaniker, der schwerverletzt liegenblieb.
Obwohl sich bald Rettungswagen und Dutzende von Helfern auf der Strecke
befanden, wurde das Rennen nicht abgebrochen, jedenfalls nicht von der
Rennleitung.
Als Didier Pironi und Alan Jones jedoch bei der ersten Zieldurchfahrt das
Chaos sahen, begannen sie demonstrativ das Tempo zu verlangsamen und
erzwangen so unter dem Beifall des Publikums und der Mechaniker den Abbruch
des Rennens. In Führung lagen zu dieser Zeit übrigens Piquet und Reutemann.
Nach dem zweiten Start setzte sich Didier an die Spitze, doch er konnte sich
aufgrund stark nachlassender Bremsen leider nicht mehr lange dort halten und
kam schließlich nur als achter ins Ziel.
Der
schwerverletzte Osella-Mechaniker Amadeo starb am Montag nach dem Rennen.
Beim
Grand Prix de Monaco sollte eigentlich erstmals der Ferrari-V6 mit
Comprex-Lader eingesetzt werden, doch man vertraute man trotzdem auf den
besser werdenden Turbo. Didiers Training war von zwei Unfällen
gekennzeichnet, durch die er nur aus der vorletzten Startreihe ins Rennen
gehen konnte. Dennoch erkämpfte er einen hervorragenden vierten Platz, der
jedoch im Glanze der Siegesfahrt seines Teamkollegen Villeneuve wenig
gewürdigt wurde.
Durch den Sieg Villeneuves, der ihn plötzlich auf den vierten WM-Rang
katapultiert hatte, begann man bei Ferrari, über eine Stallorder
nachzudenken, um die minimale WM-Chance nicht zu ruinieren. So gewann
Villeneuve dann auch in Spanien und Didier fuhr nach problematischem Training
ein problembehaftetes Rennen und lief mit vier Runden Rückstand als 15. im
Ziel ein.
Villeneuves
Siege konnten aber nur kurz darüberhinwegtäuschen, daß der 126 CK ein
katastrophales Auto war.
In Dijon waren die Ferrari nirgends, immerhin konnte Didier für seinen
fünften Platz zwei Punkte mit nach Hause nehmen. In Silverstone gab es gar
wieder einen Totalausfall des Ferrari-Teams. Didier wurde einmal mehr von
einem Motorschaden heimgesucht, während Villeneuve einer selbstverschuldeten
Massenkollision zum Opfer fiel. Bemerkenswert bleibt aber, daß es Didier
erstmals gelang, sich vor Villeneuve zu qualifizieren. Das gelang ihm auch in
Hockenheim, doch er wurde auch hier schon in der zweiten Runde durch einen
Motorschaden aus dem Rennen geworfen. In Österreich bot Didier ein
gigantisches Rennen, doch letztlich kam er wieder nur als Neunter ins Ziel.
Der Ferrari war zwar auf den Geraden bärenstark, doch in den Kurven lagen die
Ferrari nach wie vor unglaublich schlecht und das obwohl das Chassis bereits
um 20 cm verkürzt worden war. Villeneuve verabschiedete sich bereits in der
Anfangsphase in die Botanik. Das tat er auch in Zandvoort, als er, offenbar
frustriert darüber, erneut hinter Didier zu stehen, am Start ungestüm nach
vorn fuhr und dabei über Patreses Arrows hinwegflog und aufgeben mußte.
Didier hingegen kam sich mit Tambay ins Gehege und stieg an der Box aus.
Bei
Ferraris Heim-Grand Prix in Monza hatte man sich natürlich viel vorgenommen
und so qualifizierte sich Didier auch hier vor Villeneuve, der diesmal den
obligatorischen Motorschaden zu verkraften hatte, während Didier einen
weiteren fünften Platz holte. In Kanada war dann wieder Didier mit dem
Motorschaden an der Reihe, Gilles fuhr einen nach einer Kollision mit Arnoux
stark demolierten Ferrari, der überall außer in Kanada mit der schwarzen
Flagge aus dem Rennen genommen worden wäre, auf den dritten Platz.
Die insgesamt spannende Saison endete in Las Vegas mit einem überlegenen Sieg
von Alan Jones, der nach dem Rennen seine Karriere beendete und dem ersten
Weltmeistertitel für Nelson Piquet. Die Ferrari konnten erneut keine Punkte
sammeln. Didier kam einmal mehr auf Platz neun ins Ziel, konnte aber im
Gegensatz zu Villeneuve, der mit sich auflösenden Reifen durch, na klar,
Unfall ausschied, das Auto auf der Strasse halten.
Für die kommende Saison hatten sie beide schon längst unterschrieben, es
konnte nur besser werden, es mußte !
Bereits
Anfang 1982 wurde die Formel 1 Welt durch die Rundenzeiten geschockt, die
Gilles Villeneuve mit dem neuen, vom kürzlich leider verstorbenen Designer
Dr. Harvey Postlethwaite entworfenen Ferrari 126 C2 in Fiorano erreicht
hatte. Ferrari änderte daraufhin sofort seine Pläne im Hinblick auf die erste
WM-Schlacht am 23. Januar und schickte Didier nach Kyalami.
Der
Beginn der Saison war jedoch in erster Linie von Politik geprägt.
Ursache der neuerlichen Unstimmigkeiten zwischen den Fahrern und der FISA war
die überraschende Einführung einer sogenannten Superlizenz unter bestimmten
Bedingungen. Dazu zählte, daß der Fahrer bei einem Team unter Vertrag stehen
mußte und der Fahrer die Vertragsdauer bekanntgab. Außerdem galt die Lizenz
für das Team und nicht für den Fahrer. Die Fahrer sollten sich außerdem dazu
verpflichten, im Schadensfall keinerlei Regreßansprüche an irgendeine der
beteiligten Personen oder Institutionen stellen. Einige Fahrer, darunter
Didier Pironi, Niki Lauda und Gilles Villeneuve verweigerten die
Unterschrift. Unter Führung von Lauda und Didier, dem Vorsitzenden der
Fahrergewerkschaft GPDA, ließen die Aktiven das freie Training am Donnerstag
platzen. Aufgrund der Tatsache, daß nicht rechtzeitig genug Fahrer
herangeschafft werden konnten, um die Plätze der Abtrünnigen aufzufüllen,
vertagte sich die FISA bis zur nächsten Sitzung der F1-Kommission in Paris
und rettete so das Freitagstraining und das Rennen.
Leider
konnten die verheissungsvollen Testergebnisse der Ferrari im Rennen nicht
umgesetzt werden. Villeneuve fiel bereits in der Anfangsphase mit geplatztem
Turbolader aus und Didier fiel, an zweiter Stelle liegend, aufgrund von
plötzlich auftretenden Fehlzündungen ans Feldende zurück.
Unmittelbar nach dem Rennen entzog Jean-Marie Balestre, der Präsident der
FISA, allen 29 Fahrern, die Lizenz. Außerdem wurden einige Fahrer, nämlich
Pironi, Prost, Laffite, Giacomelli , Patrese und Villeneuve mit einer
Geldbuße von 10000 Dollar belegt, weil sie auch an der Startblockade von
Zolder 1981 beteiligt waren, die anderen hatten 5000 Dollar zu bezahlen. Nur
Jochen Mass und Teo Fabi (Lauda: "Ein charakterloser Hund !")
gingen straffrei aus, weil sie sich vom Streik distanziert hatten.
Didier Pironi teilte der FISA daraufhin mit, daß die Fahrer sich als
gleichberechtigte Partner im Formel 1 Geschäft verstünden und statt eines
Bußgeldbescheides eine ordentliche Verhandlung verlangten. Die Weigerung von
Alfa Romeo, Ferrari und Renault, Ersatzfahrer ins Team zu nehmen, stärkte
ihre Position. Didier löste die GPDA schließlich auf und gründete die PRDA,
die als Professional Racing Drivers Association mehr Einfluß gewinnen sollte.
Plötzlich begannen aber einige Teams, in erster Linie die britischen, für
ihre Fahrer zu zahlen. Die restlichen Fahrer, außer de Angelis, Guerrero,
Reutemann und Serra, gingen vor das Berufungsgericht der FIA, konnten aber
nur einen Teilerfolg erzielen. Das Verhalten der FISA wurde gerügt und die
Strafen einheitlich auf 5000 Dollar festgesetzt. Die PRDA akzeptierte das
Urteil und verhalf so der Formel 1 wieder zu einem vollständigen Fahrerfeld.
Der
argentinische Grand Prix wurde aus politischen und finanziellen Gründen
abgesagt, das eröffnete den Teams die Möglichkeit, einige Testfahrten in Le
Castellet einzuschieben. Dabei hatte Didier leider einen spektakulären
Unfall, bei dem er aber zum Glück mit einer leichten Knieverletzung davonkam.
Dennoch war er beim Grand Prix von Brasilien in Rio alles andere als fit und
konnte nur einen achten Platz heimfahren. In Long Beach ereilte ihn mal
wieder das Ferrari-Pech - diesmal war's ein Antriebsdefekt. Villeneuve
hingegen erreichte einen dritten Platz, doch die Freude war nur von kurzer
Dauer. Die Ferrari waren mit einem sensationellen versetzten Doppelflügel
angetreten, gegen den das Tyrrell-Team prompt Berufung einlegte und gewann.
Der dritte Rang wurde Gilles aberkannt. Doch die Zeit der Ferrari sollte
schon bald kommen. Am Mittwoch vor dem Grand Prix von San Marino in Imola
heiratete Didier nach drei jahren seine 29-jährige Freundin Catherine und war
am Donnerstag schon schneller als Villeneuve."Ja, so acht Zehntel
macht diese Heirat schon aus.",sagte Didier.
Und
dann kam also Imola. Nur 14 Autos waren am Start, die FOCA-Teams traten aus
Protest gegen verschiedene Auslegungen des Mindestgewichts und der damit
verbundenen Disqualifikation von Piquet und Rosberg nicht an. Didier hatte
dadurch nachträglich am grünen Tisch seinen ersten Punkt der Saison 1982
erhalten. In Imola sollten neun weitere hinzukommen. Nachdem die beiden
Renault von Prost und Arnoux in der sechsten bzw. 44. Runde ausgefallen
waren, artete das Rennen in einen Zweikampf zwischen den beiden Ferrari-
Piloten aus. Obwohl ihnen von der Ferrari-Box mehrfach das Zeichenb "SLOW"
gegeben wurde, hetzten sich die beiden um den Kurs als gäbe es kein morgen.
Letzlich gewann Didier das Rennen. Villeneuve war wütend, verweigerte die
gemeinsame Ehrenrunde und stellte auf dem Siegerpodest Weltuntergangsstimmung
zur Schau.
Didier:
" SLOW heißt, daß wir uns gefälligst vor dem Rausfliegen hüten
sollen, aber Überholverbot herrschte keines."
Tatsache
ist, daß beide Ferrari mit technischen Problemen, insbesondere Fehlzündungen,
zu kämpfen hatten. Dadurch konnte mal der eine, mal der andere die Führung
übernehmen.
Gilles war nicht bereit, die Niederlage, die er als Betrug empfand,
hinzunehmen. Er war wild entschlossen, die alte Ordnung in Zolder wieder
herzustellen. Doch er lag im Training eine Zehntelsekunde hinter Didier und
hatte nur noch einen Satz Qualifikationsreifen zur Verfügung. Auf seiner
letzten schnellen Runde lief er um 13.52 Uhr zwischen Schikane und
Terlaemenbocht auf den sehr viel langsameren March von Jochen Mass auf.
Tragischerweise wichen beide Fahrer zur selben Seite aus, die beiden
Fahrzeuge kollidierten, der Ferrari stieg am Hinterrad des March auf, wurde
in die Böschung geworfen und der Fahrer mit dem Sitz herausgeschleudert.
Gilles
Villeneuve starb kurz vor Mitternacht.
Der zweite Ferrari von Didier wurde daraufhin vom Start zurückgezogen.
Gilles
war tot, ein Unfall hatte ihn das Leben gekostet, doch viele seiner Fans
machten und machen indirekt Didier Pironi dafür verantwortlich. Diese
Anschuldigungen sind mit das Unfairste was überhaupt bisher im Motorsport
vorgefallen ist. Wenn irgendjemand an Gilles Tod schuld war, dann war es
Gilles selbst. Sein todesverachtender Fahrstil und die Unfähigkeit
einzusehen, daß jemand schneller war als er, waren die Ursachen, die
letzendlich seinem Leben ein Ende setzten.
Als
nächstes ging es dann nach Monaco. Ferrari setzte nur einen Wagen ein und der
hatte im Rennen nur zwei Probleme: Elio de Angelis und die Benzinzufuhr am
V6-Turbomotor. De Angelis kostete Didier die Fahrzeugnase, die Technik ließ
ihn eine Runde vor Schluß, in Führung liegend, im Tunnel stranden. Dennoch
wurde er als Zweiter gewertet und lag damit nur zwei Punkte hinter dem in der
WM Führenden Alain Prost. Ein dritter Platz in den Betonschluchten von
Detroit bescherte Didier schließlich den Sprung auf Platz zwei im Gesamtclassement.
Als
Nachfolger von Villeneuve wurde Patrick Tambay, der sich erst zu Beginn der
Saison aus der Formel 1 verabschiedet hatte, verpflichtet.
Der Grand Prix von Kanada hätte Didiers Tag werden können doch stattdessen
ereignete sich eine weitere Tragödie. Didier hatte im Training die Pole
herausfahren können, doch "meine Kupplung begann zu rutschen, ich
mußte auf die Bremse treten, um nicht einen Frühstart zu verursachen. Beim
zweiten Anlauf verbrannte die Kupplung, ich hob sofort den Arm."
Die
meisten Fahrer fanden eine Lücke zwischen dem stehenden Ferrari und den
Leitplanken. Nicht so der unerfahrene Osella-Pilot Riccardo Paletti. Mit etwa
170 km/h bohrte sich der Osella in das Heck des Ferrari, der Einschlag war
schlimmer als in eine Betonmauer. Zusätzlich fing der Wagen Feuer. Didier
sprang in die brennenden Trümmer, doch es gab nichts mehr zu retten. Dennoch
ging Didier mit dem Reservewagen zunächst in Führung, doch erneute
Fehlzündungen zwangen ihn mehrfach an die Box und so erreichte er letztlich
nur einen enttäuschenden neunten Platz.
Nur
eine Woche später muß Didier seinen Schutzengel schon wieder in Anspruch
nehmen. Ferrari testete in Paul Ricard als Didier beim Anbremsen der
Beausset-Kurve aus ungeklärten Gründen in die Fangzäune flog. An dieser
Stelle erreichen die Fahrzeuge eine Geschwindigkeit von 280 km/h. Der Ferrari
stieg auf und knallte heftig zu Boden, glücklicherweise hielt das Monocoque
und Didier kam mit Prellungen davon. Ferrari gab später einen technischen
Defekt als Unfallursache bekannt.
In Zandvoort hatte Didier keine Gegner, kurz nach dem Start überholte er
Arnoux, wenig später rang er auch Prost nieder und siegte souverän. Er
widmete den Sieg Villeneuve, was einen etwas merkwürdigen Eindruck
hinterließ, denn die beiden waren sich zuletzt schließlich spinnefeind.
Zehnter
Lauf zur WM, Grand Prix von England, Branda Hatch, Didier wird Zweiter hinter
Lauda, Watson fällt aus. Didier kann erstmals in seiner F1-Karriere die
Führung in der Weltmeisterschaft übernehmen.
Schon eine Woche später beim Grand Prix von Frankreich auf dem Circuit Paul
Ricard konnte Didier seinen Vorsprung sogar auf neun Punkte ausbauen und
dabei half ihm ausgerechnet sein alter Konkurrent René Arnoux, der sich nicht
an die allzu deutliche Stallorder des Renault Teams hielt und vor seinem
Teamkollegen Alain Prost gewann. Didier wurde Dritter.
Schließlich
ging es nach Hockenheim. Beim Freitagstraining kam es zunächst zu einer
ungewöhnlichen Situation: Niki Lauda lief auf Didier Pironi auf und war
völlig überrascht, als ihm der Ferrari-Pilot mit zwei Fingern bedeutet: Häng
dich an, ich zieh dich im Windschatten. Eine Runde war verpatzt, weil
Riccardo Patrese in die Quere kam. Nächster Versuch: Lauda kann mitverfolgen,
wie vor ihm Pironi über einen Randstein rattert, sofort quersteht und sich
dreht, direkt gegen die Leitplanken.
"Danke
für den Windschatten",sagte Lauda später zu Pironi,"aber was hast du bloß
getan ?" "Nichts", grinste Pironi,"ich hab nur in
den Rückspiegel geschaut, ob du noch da bist - und dabei den Randstein
übersehen."
Schwere
Regenschauer kamen und gingen. Beim Samstagstraining stand das Wasser auf der
Strecke und kein Windhauch blies die Gischt weg. Didier fuhr trotz der
widrigen Bedingungen furios. Bereits am Freitag hatte er die Pole erobert und
niemand hätte sie ihm bei diesem Wetter streitig machen können. Dennoch fuhr
Pironi geradezu unglaubliche Zeiten, was viele Kritiker zum Anlaß nahmen, zu
behaupten, Pironi wäre "wie ein Irrer" gefahren, doch das war
komplett falsch, wie Mauro Forghieri bestätigte. Er sollte einen neuen Good
Year Regenreifen ausprobieren.
"Wir
wußten, sie sind 2,5 Sekunden schneller als die alten Regenpneus. Pironi fuhr
in der dritten Runde 2.10,9, Tambay 2.13,4, das war für uns nicht
verwunderlich."
Als
Didier auf der Geraden zwischen der zweiten Schikane und der Einfahrt ins
Motodrom schemenhaft den Williams von Derek Daly samt seiner Wasserfontaine
nach rechts wandern sah, nahm er an, daß der linke Fahrstreifen frei wäre.
Doch dort befand sich der Renault von Alain Prost auf einer Anwärmrunde.
Alain
Prost: "Er prallte gegen mein Heck und stieg über das rechte
Hinterrad hoch. Ich sehe es noch ganz klar vor mir. Der Ferrari überholte
mich senkrecht in der Luft stehend"
Der
Ferrari überschlug sich auf einer Strecke von 250 Meter dreimal und zerbrach
bei der Landung wie schon das Fahrzeug von Villeneuve in Zolder. Auch bei
Pironi wurden die Gurte zerrissen.Alain Prost blieb unverletzt.
Rettungsstaffel und Notarzt kamen in Windeseile. Sofort wurde vom Rennarzt
eine Schockbekämpfung eingeleitet.
"Zwei
Minuten später, und Pironi wäre wahrscheinlich an einem Schock
gestorben."
Didier
blieb 20 Minuten im Wrack eingeklemmt, verlor dabei viel Blut.
"Er
hat geweint und zuerst französisch, dann englisch geschrien: Bitte hol mich
hier raus."
Als
Nelson Piquet an der Unfallstelle vorbeikam, hielt er an und sprang aus
seinem Brabham. Er lief zu Didier und nahm ihm den Helm ab, doch als die
schweren Verletzungen sah, konnte er es nicht mehr aushalten und rannte
davon. Mit dem Hubschrauber wurde er ins Universitätskrankenhaus nach
Heidelberg geflogen, wo man ihn fast fünf Stunden operierte. Um Mitternacht
konnte der Schwerverletzte bereits wieder die Zehen bewegen und bereits am
Mittwoch nach dem Unfall die Intensivstation verlassen.
Das
Rennen in Hockenheim entschied schließlich Villeneuve-Ersatz Patrick Tambay
für sich.
Didier Pironi hatte zu diesem Zeitpunkt 39 WM-Punkte, führte vor Watson (30)
und Rosberg (27). Leider sah das Endklassement Rosberg als Weltmeister mit 42
Punkten, und das, obwohl dieser nur ein einziges Rennen für sich entscheiden
konnte. Ein würdiger Weltmeister ?
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