Der Traum und das Ende – Die Ferrari Jahre 1981 / 82


Im Oktober 1980 wurde Didier von Enzo Ferrari und Mauro Forghieri empfangen und konnte die ersten Runden auf der Ferrari-eigenen Rennstrecke Fiorano in einem alten T5 drehen. Warum war er zu Ferrari geangen wo doch bei Ligier sein Stern aufgegangen war ?

"Bei Ferrari wird es keine Nummer Eins geben, sondern zwei gleichgestellte Piloten mit identischen Voraussetzungen."
Eine Option von Ferrari hatte Didier schon im März unterschrieben, zu einem Zeitpunkt also, als die Ligier absolute Top-Wagen waren. Warum ?
"Nun, es war ja nur eine Option und noch nicht der endgültige Vertrag, die endgültige Entscheidung habe ich erst viel später getroffen - das ist die Wahrheit. Ligier hat mir im vergangenen Jahr einen hervorragenden Wagen gegeben. Aus der Sicht der Aerodynamik und vom Chassis her wahrscheinlich den besten. Es gibt auch keinen Zweifel, daß Ligier eines der besten Teams überhaupt war. Aber: Wie sieht das 1981 aus ?"
Trotzdem hatte Didier es bei Guy Ligier nicht immer leicht gehabt, zum Beispiel beim Großen Preis von England. Bei beiden Ligier waren die Felgen gebrochen, Laffite hatte einige Fangzäune vernichtet, Didier blieb mit plattem Reifen stehen.
"Als ich an die Box zurückkam" schildert Didier die Situation, "stand Guy Ligier inmitten einem ganzen Heer französischer Journalisten. Und denen erzählte er, einer seiner Piloten hätte heute gewonnen, wenn sie etwas mehr Hirn hätten, etwas vorsichtiger fahren, nicht immer über die Randsteine räubern und mit dem Fahrzeug etwas sanfter umgehen würden. Was hätte ich da tun sollen ? Ich bin einfach weiter gelaufen. Aber von diesem Moment an habe ich mit Gedanken über meine Zukunft gemacht..."
Im November 1980 veranstaltete Ferrari Testfahrten mit dem neuen Turbo in Imola. Dabei hielten sich die Zeiten von Villeneuve und Pironi etwa die Waage. Im Januar testete Ferrari in Le Castellet einen Comprex-Druckwellenlader anstatt des KKK-Turbo. Didier war mit dem Comprex-Lader mehr als eine Sekunde pro Runde schneller als mit dem Turbo.
Die Saison begann mit einem Rennen in Kyalami, das jedoch noch nicht zur WM zählte und dem deshalb die Teams von Ferrari, Renault, Talbot, Osella und Toleman fernblieben. Letztlich trat man zum Saisonauftakt aber doch mit dem Turbo an, konnte die zusätzlichen Tests aber nicht in zählbare Ergebnisse umsetzen. In Long Beach gab es einen Totalausfall, Didier mit Motorschaden, Villeneuve mit gebrochener Antriebswelle. Keine Punkte gab es auch in Brasilien, dieses Mal jedoch schied Villeneuve mit defektem Turbolader aus, während Didier nach einer Kollision mit Alain Prost im Renault aufgeben mußte. Eine weitere Nullrunde folgte in Buenos Aires. Didier ereilte schon in Runde drei ein Motorschaden und Villeneuve zerstörte wie schon im Warm-Up seinen 126 C. In Italien schätzte man Villeneuve zwar wegen seiner Schnelligkeit, seines Kampfgeistes und seines Einsatzes, doch man sagte auch vermehrt, daß Villeneuve der teuerste Weltmeister würde, wenn er es jemals schaffte. Ein Hoffnungsschimmer in Imola - Villeneuve holte die Pole, doch Didier mit Platz fünf die ersten Punkte, während Gilles sich mit den Reifen verspekulierte. Didier hätte sicher gewonnen, wäre er nicht über einen Randstein gerutscht und hätte dabei eine Schürze beschädigt.
Dann kam das schwarze Wochenende von Zolder 1981. Am Freitag war der Osella-Mechaniker Giovanni Amadeo in der völlig überfüllten Boxengasse von Calos Reutemann angefahren und schwer verletzt worden. Dieser Unfall veranlaßte die Mechaniker, gegen die unzumutbaren Umstände ihres Berufes zu protestieren, indem sie den Start des Rennens verzögerten und sich auf der Zielgeraden aufstellten. Die meisten Fahrer, unter ihnen auch die Ferrari-Piloten, kletterten aus ihren Cockpits, um Solidarität zu demonstrieren. Nach fünf Minuten war die Demonstration zu Ende und nun beging der Veranstalter einen großen Fehler, er liess die Wagen auf die Aufwärmrunde und das, obwohl noch nicht alle Fahrer von der Demonstration zu ihren Autos zurückgekehrt waren. Das Chaos war perfekt, einige Fahrer fuhren los, andere Wagen waren noch nicht besetzt. Als die ersten Fahrer aus der Informationsrunde in die Startaufstellung fuhren und die Motoren wegen der Überhitzungsgefahr abstellten, gab Derek Ongaro, der FISA-Mann, der jeden GP startete, das Rennen plötzlich frei. Zu diesem Zeitpunkt waren noch nicht einmal alle Wagen auf ihren Startplätzen eingetroffen, mehrere Helfer befanden sich noch auf der Piste. So auch Dave Luckett, ein Arrows-Mechaniker, der damit beschäftigt war, den Wagen von Patrese zu starten. Einige Fahrer schafften es, um den stehenden Arrows herumzukurven, nicht aber Patreses Teamkollege Siegfried Stohr. Er knallte voll beschleunigt in Patreses Heck und in den Mechaniker, der schwerverletzt liegenblieb. Obwohl sich bald Rettungswagen und Dutzende von Helfern auf der Strecke befanden, wurde das Rennen nicht abgebrochen, jedenfalls nicht von der Rennleitung.
Als Didier Pironi und Alan Jones jedoch bei der ersten Zieldurchfahrt das Chaos sahen, begannen sie demonstrativ das Tempo zu verlangsamen und erzwangen so unter dem Beifall des Publikums und der Mechaniker den Abbruch des Rennens. In Führung lagen zu dieser Zeit übrigens Piquet und Reutemann. Nach dem zweiten Start setzte sich Didier an die Spitze, doch er konnte sich aufgrund stark nachlassender Bremsen leider nicht mehr lange dort halten und kam schließlich nur als achter ins Ziel.
Der schwerverletzte Osella-Mechaniker Amadeo starb am Montag nach dem Rennen.
Beim Grand Prix de Monaco sollte eigentlich erstmals der Ferrari-V6 mit Comprex-Lader eingesetzt werden, doch man vertraute man trotzdem auf den besser werdenden Turbo. Didiers Training war von zwei Unfällen gekennzeichnet, durch die er nur aus der vorletzten Startreihe ins Rennen gehen konnte. Dennoch erkämpfte er einen hervorragenden vierten Platz, der jedoch im Glanze der Siegesfahrt seines Teamkollegen Villeneuve wenig gewürdigt wurde.
Durch den Sieg Villeneuves, der ihn plötzlich auf den vierten WM-Rang katapultiert hatte, begann man bei Ferrari, über eine Stallorder nachzudenken, um die minimale WM-Chance nicht zu ruinieren. So gewann Villeneuve dann auch in Spanien und Didier fuhr nach problematischem Training ein problembehaftetes Rennen und lief mit vier Runden Rückstand als 15. im Ziel ein.
Villeneuves Siege konnten aber nur kurz darüberhinwegtäuschen, daß der 126 CK ein katastrophales Auto war.
In Dijon waren die Ferrari nirgends, immerhin konnte Didier für seinen fünften Platz zwei Punkte mit nach Hause nehmen. In Silverstone gab es gar wieder einen Totalausfall des Ferrari-Teams. Didier wurde einmal mehr von einem Motorschaden heimgesucht, während Villeneuve einer selbstverschuldeten Massenkollision zum Opfer fiel. Bemerkenswert bleibt aber, daß es Didier erstmals gelang, sich vor Villeneuve zu qualifizieren. Das gelang ihm auch in Hockenheim, doch er wurde auch hier schon in der zweiten Runde durch einen Motorschaden aus dem Rennen geworfen. In Österreich bot Didier ein gigantisches Rennen, doch letztlich kam er wieder nur als Neunter ins Ziel. Der Ferrari war zwar auf den Geraden bärenstark, doch in den Kurven lagen die Ferrari nach wie vor unglaublich schlecht und das obwohl das Chassis bereits um 20 cm verkürzt worden war. Villeneuve verabschiedete sich bereits in der Anfangsphase in die Botanik. Das tat er auch in Zandvoort, als er, offenbar frustriert darüber, erneut hinter Didier zu stehen, am Start ungestüm nach vorn fuhr und dabei über Patreses Arrows hinwegflog und aufgeben mußte. Didier hingegen kam sich mit Tambay ins Gehege und stieg an der Box aus.
Bei Ferraris Heim-Grand Prix in Monza hatte man sich natürlich viel vorgenommen und so qualifizierte sich Didier auch hier vor Villeneuve, der diesmal den obligatorischen Motorschaden zu verkraften hatte, während Didier einen weiteren fünften Platz holte. In Kanada war dann wieder Didier mit dem Motorschaden an der Reihe, Gilles fuhr einen nach einer Kollision mit Arnoux stark demolierten Ferrari, der überall außer in Kanada mit der schwarzen Flagge aus dem Rennen genommen worden wäre, auf den dritten Platz.
Die insgesamt spannende Saison endete in Las Vegas mit einem überlegenen Sieg von Alan Jones, der nach dem Rennen seine Karriere beendete und dem ersten Weltmeistertitel für Nelson Piquet. Die Ferrari konnten erneut keine Punkte sammeln. Didier kam einmal mehr auf Platz neun ins Ziel, konnte aber im Gegensatz zu Villeneuve, der mit sich auflösenden Reifen durch, na klar, Unfall ausschied, das Auto auf der Strasse halten.
Für die kommende Saison hatten sie beide schon längst unterschrieben, es konnte nur besser werden, es mußte !
 
Bereits Anfang 1982 wurde die Formel 1 Welt durch die Rundenzeiten geschockt, die Gilles Villeneuve mit dem neuen, vom kürzlich leider verstorbenen Designer Dr. Harvey Postlethwaite entworfenen Ferrari 126 C2 in Fiorano erreicht hatte. Ferrari änderte daraufhin sofort seine Pläne im Hinblick auf die erste WM-Schlacht am 23. Januar und schickte Didier nach Kyalami.
Der Beginn der Saison war jedoch in erster Linie von Politik geprägt.
Ursache der neuerlichen Unstimmigkeiten zwischen den Fahrern und der FISA war die überraschende Einführung einer sogenannten Superlizenz unter bestimmten Bedingungen. Dazu zählte, daß der Fahrer bei einem Team unter Vertrag stehen mußte und der Fahrer die Vertragsdauer bekanntgab. Außerdem galt die Lizenz für das Team und nicht für den Fahrer. Die Fahrer sollten sich außerdem dazu verpflichten, im Schadensfall keinerlei Regreßansprüche an irgendeine der beteiligten Personen oder Institutionen stellen. Einige Fahrer, darunter Didier Pironi, Niki Lauda und Gilles Villeneuve verweigerten die Unterschrift. Unter Führung von Lauda und Didier, dem Vorsitzenden der Fahrergewerkschaft GPDA, ließen die Aktiven das freie Training am Donnerstag platzen. Aufgrund der Tatsache, daß nicht rechtzeitig genug Fahrer herangeschafft werden konnten, um die Plätze der Abtrünnigen aufzufüllen, vertagte sich die FISA bis zur nächsten Sitzung der F1-Kommission in Paris und rettete so das Freitagstraining und das Rennen.
Leider konnten die verheissungsvollen Testergebnisse der Ferrari im Rennen nicht umgesetzt werden. Villeneuve fiel bereits in der Anfangsphase mit geplatztem Turbolader aus und Didier fiel, an zweiter Stelle liegend, aufgrund von plötzlich auftretenden Fehlzündungen ans Feldende zurück.
Unmittelbar nach dem Rennen entzog Jean-Marie Balestre, der Präsident der FISA, allen 29 Fahrern, die Lizenz. Außerdem wurden einige Fahrer, nämlich Pironi, Prost, Laffite, Giacomelli , Patrese und Villeneuve mit einer Geldbuße von 10000 Dollar belegt, weil sie auch an der Startblockade von Zolder 1981 beteiligt waren, die anderen hatten 5000 Dollar zu bezahlen. Nur Jochen Mass und Teo Fabi (Lauda: "Ein charakterloser Hund !") gingen straffrei aus, weil sie sich vom Streik distanziert hatten.
Didier Pironi teilte der FISA daraufhin mit, daß die Fahrer sich als gleichberechtigte Partner im Formel 1 Geschäft verstünden und statt eines Bußgeldbescheides eine ordentliche Verhandlung verlangten. Die Weigerung von Alfa Romeo, Ferrari und Renault, Ersatzfahrer ins Team zu nehmen, stärkte ihre Position. Didier löste die GPDA schließlich auf und gründete die PRDA, die als Professional Racing Drivers Association mehr Einfluß gewinnen sollte. Plötzlich begannen aber einige Teams, in erster Linie die britischen, für ihre Fahrer zu zahlen. Die restlichen Fahrer, außer de Angelis, Guerrero, Reutemann und Serra, gingen vor das Berufungsgericht der FIA, konnten aber nur einen Teilerfolg erzielen. Das Verhalten der FISA wurde gerügt und die Strafen einheitlich auf 5000 Dollar festgesetzt. Die PRDA akzeptierte das Urteil und verhalf so der Formel 1 wieder zu einem vollständigen Fahrerfeld.
Der argentinische Grand Prix wurde aus politischen und finanziellen Gründen abgesagt, das eröffnete den Teams die Möglichkeit, einige Testfahrten in Le Castellet einzuschieben. Dabei hatte Didier leider einen spektakulären Unfall, bei dem er aber zum Glück mit einer leichten Knieverletzung davonkam. Dennoch war er beim Grand Prix von Brasilien in Rio alles andere als fit und konnte nur einen achten Platz heimfahren. In Long Beach ereilte ihn mal wieder das Ferrari-Pech - diesmal war's ein Antriebsdefekt. Villeneuve hingegen erreichte einen dritten Platz, doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Die Ferrari waren mit einem sensationellen versetzten Doppelflügel angetreten, gegen den das Tyrrell-Team prompt Berufung einlegte und gewann. Der dritte Rang wurde Gilles aberkannt. Doch die Zeit der Ferrari sollte schon bald kommen. Am Mittwoch vor dem Grand Prix von San Marino in Imola heiratete Didier nach drei jahren seine 29-jährige Freundin Catherine und war am Donnerstag schon schneller als Villeneuve."Ja, so acht Zehntel macht diese Heirat schon aus.",sagte Didier.
Und dann kam also Imola. Nur 14 Autos waren am Start, die FOCA-Teams traten aus Protest gegen verschiedene Auslegungen des Mindestgewichts und der damit verbundenen Disqualifikation von Piquet und Rosberg nicht an. Didier hatte dadurch nachträglich am grünen Tisch seinen ersten Punkt der Saison 1982 erhalten. In Imola sollten neun weitere hinzukommen. Nachdem die beiden Renault von Prost und Arnoux in der sechsten bzw. 44. Runde ausgefallen waren, artete das Rennen in einen Zweikampf zwischen den beiden Ferrari- Piloten aus. Obwohl ihnen von der Ferrari-Box mehrfach das Zeichenb "SLOW" gegeben wurde, hetzten sich die beiden um den Kurs als gäbe es kein morgen. Letzlich gewann Didier das Rennen. Villeneuve war wütend, verweigerte die gemeinsame Ehrenrunde und stellte auf dem Siegerpodest Weltuntergangsstimmung zur Schau.
Didier: " SLOW heißt, daß wir uns gefälligst vor dem Rausfliegen hüten sollen, aber Überholverbot herrschte keines."
Tatsache ist, daß beide Ferrari mit technischen Problemen, insbesondere Fehlzündungen, zu kämpfen hatten. Dadurch konnte mal der eine, mal der andere die Führung übernehmen.
Gilles war nicht bereit, die Niederlage, die er als Betrug empfand, hinzunehmen. Er war wild entschlossen, die alte Ordnung in Zolder wieder herzustellen. Doch er lag im Training eine Zehntelsekunde hinter Didier und hatte nur noch einen Satz Qualifikationsreifen zur Verfügung. Auf seiner letzten schnellen Runde lief er um 13.52 Uhr zwischen Schikane und Terlaemenbocht auf den sehr viel langsameren March von Jochen Mass auf. Tragischerweise wichen beide Fahrer zur selben Seite aus, die beiden Fahrzeuge kollidierten, der Ferrari stieg am Hinterrad des March auf, wurde in die Böschung geworfen und der Fahrer mit dem Sitz herausgeschleudert.
Gilles Villeneuve starb kurz vor Mitternacht.
Der zweite Ferrari von Didier wurde daraufhin vom Start zurückgezogen.
Gilles war tot, ein Unfall hatte ihn das Leben gekostet, doch viele seiner Fans machten und machen indirekt Didier Pironi dafür verantwortlich. Diese Anschuldigungen sind mit das Unfairste was überhaupt bisher im Motorsport vorgefallen ist. Wenn irgendjemand an Gilles Tod schuld war, dann war es Gilles selbst. Sein todesverachtender Fahrstil und die Unfähigkeit einzusehen, daß jemand schneller war als er, waren die Ursachen, die letzendlich seinem Leben ein Ende setzten.
Als nächstes ging es dann nach Monaco. Ferrari setzte nur einen Wagen ein und der hatte im Rennen nur zwei Probleme: Elio de Angelis und die Benzinzufuhr am V6-Turbomotor. De Angelis kostete Didier die Fahrzeugnase, die Technik ließ ihn eine Runde vor Schluß, in Führung liegend, im Tunnel stranden. Dennoch wurde er als Zweiter gewertet und lag damit nur zwei Punkte hinter dem in der WM Führenden Alain Prost. Ein dritter Platz in den Betonschluchten von Detroit bescherte Didier schließlich den Sprung auf Platz zwei im Gesamtclassement.
Als Nachfolger von Villeneuve wurde Patrick Tambay, der sich erst zu Beginn der Saison aus der Formel 1 verabschiedet hatte, verpflichtet.
Der Grand Prix von Kanada hätte Didiers Tag werden können doch stattdessen ereignete sich eine weitere Tragödie. Didier hatte im Training die Pole herausfahren können, doch "meine Kupplung begann zu rutschen, ich mußte auf die Bremse treten, um nicht einen Frühstart zu verursachen. Beim zweiten Anlauf verbrannte die Kupplung, ich hob sofort den Arm."
Die meisten Fahrer fanden eine Lücke zwischen dem stehenden Ferrari und den Leitplanken. Nicht so der unerfahrene Osella-Pilot Riccardo Paletti. Mit etwa 170 km/h bohrte sich der Osella in das Heck des Ferrari, der Einschlag war schlimmer als in eine Betonmauer. Zusätzlich fing der Wagen Feuer. Didier sprang in die brennenden Trümmer, doch es gab nichts mehr zu retten. Dennoch ging Didier mit dem Reservewagen zunächst in Führung, doch erneute Fehlzündungen zwangen ihn mehrfach an die Box und so erreichte er letztlich nur einen enttäuschenden neunten Platz.
Nur eine Woche später muß Didier seinen Schutzengel schon wieder in Anspruch nehmen. Ferrari testete in Paul Ricard als Didier beim Anbremsen der Beausset-Kurve aus ungeklärten Gründen in die Fangzäune flog. An dieser Stelle erreichen die Fahrzeuge eine Geschwindigkeit von 280 km/h. Der Ferrari stieg auf und knallte heftig zu Boden, glücklicherweise hielt das Monocoque und Didier kam mit Prellungen davon. Ferrari gab später einen technischen Defekt als Unfallursache bekannt.
In Zandvoort hatte Didier keine Gegner, kurz nach dem Start überholte er Arnoux, wenig später rang er auch Prost nieder und siegte souverän. Er widmete den Sieg Villeneuve, was einen etwas merkwürdigen Eindruck hinterließ, denn die beiden waren sich zuletzt schließlich spinnefeind.
Zehnter Lauf zur WM, Grand Prix von England, Branda Hatch, Didier wird Zweiter hinter Lauda, Watson fällt aus. Didier kann erstmals in seiner F1-Karriere die Führung in der Weltmeisterschaft übernehmen.
Schon eine Woche später beim Grand Prix von Frankreich auf dem Circuit Paul Ricard konnte Didier seinen Vorsprung sogar auf neun Punkte ausbauen und dabei half ihm ausgerechnet sein alter Konkurrent René Arnoux, der sich nicht an die allzu deutliche Stallorder des Renault Teams hielt und vor seinem Teamkollegen Alain Prost gewann. Didier wurde Dritter.
Schließlich ging es nach Hockenheim. Beim Freitagstraining kam es zunächst zu einer ungewöhnlichen Situation: Niki Lauda lief auf Didier Pironi auf und war völlig überrascht, als ihm der Ferrari-Pilot mit zwei Fingern bedeutet: Häng dich an, ich zieh dich im Windschatten. Eine Runde war verpatzt, weil Riccardo Patrese in die Quere kam. Nächster Versuch: Lauda kann mitverfolgen, wie vor ihm Pironi über einen Randstein rattert, sofort quersteht und sich dreht, direkt gegen die Leitplanken.
"Danke für den Windschatten",sagte Lauda später zu Pironi,"aber was hast du bloß getan ?" "Nichts", grinste Pironi,"ich hab nur in den Rückspiegel geschaut, ob du noch da bist - und dabei den Randstein übersehen."
Schwere Regenschauer kamen und gingen. Beim Samstagstraining stand das Wasser auf der Strecke und kein Windhauch blies die Gischt weg. Didier fuhr trotz der widrigen Bedingungen furios. Bereits am Freitag hatte er die Pole erobert und niemand hätte sie ihm bei diesem Wetter streitig machen können. Dennoch fuhr Pironi geradezu unglaubliche Zeiten, was viele Kritiker zum Anlaß nahmen, zu behaupten, Pironi wäre "wie ein Irrer" gefahren, doch das war komplett falsch, wie Mauro Forghieri bestätigte. Er sollte einen neuen Good Year Regenreifen ausprobieren.
"Wir wußten, sie sind 2,5 Sekunden schneller als die alten Regenpneus. Pironi fuhr in der dritten Runde 2.10,9, Tambay 2.13,4, das war für uns nicht verwunderlich."
Als Didier auf der Geraden zwischen der zweiten Schikane und der Einfahrt ins Motodrom schemenhaft den Williams von Derek Daly samt seiner Wasserfontaine nach rechts wandern sah, nahm er an, daß der linke Fahrstreifen frei wäre. Doch dort befand sich der Renault von Alain Prost auf einer Anwärmrunde.
Alain Prost: "Er prallte gegen mein Heck und stieg über das rechte Hinterrad hoch. Ich sehe es noch ganz klar vor mir. Der Ferrari überholte mich senkrecht in der Luft stehend"
Der Ferrari überschlug sich auf einer Strecke von 250 Meter dreimal und zerbrach bei der Landung wie schon das Fahrzeug von Villeneuve in Zolder. Auch bei Pironi wurden die Gurte zerrissen.Alain Prost blieb unverletzt. Rettungsstaffel und Notarzt kamen in Windeseile. Sofort wurde vom Rennarzt eine Schockbekämpfung eingeleitet.
"Zwei Minuten später, und Pironi wäre wahrscheinlich an einem Schock gestorben."
Didier blieb 20 Minuten im Wrack eingeklemmt, verlor dabei viel Blut.
"Er hat geweint und zuerst französisch, dann englisch geschrien: Bitte hol mich hier raus."
Als Nelson Piquet an der Unfallstelle vorbeikam, hielt er an und sprang aus seinem Brabham. Er lief zu Didier und nahm ihm den Helm ab, doch als die schweren Verletzungen sah, konnte er es nicht mehr aushalten und rannte davon. Mit dem Hubschrauber wurde er ins Universitätskrankenhaus nach Heidelberg geflogen, wo man ihn fast fünf Stunden operierte. Um Mitternacht konnte der Schwerverletzte bereits wieder die Zehen bewegen und bereits am Mittwoch nach dem Unfall die Intensivstation verlassen.
Das Rennen in Hockenheim entschied schließlich Villeneuve-Ersatz Patrick Tambay für sich.
Didier Pironi hatte zu diesem Zeitpunkt 39 WM-Punkte, führte vor Watson (30) und Rosberg (27). Leider sah das Endklassement Rosberg als Weltmeister mit 42 Punkten, und das, obwohl dieser nur ein einziges Rennen für sich entscheiden konnte. Ein würdiger Weltmeister ?

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