Zwischen Himmel und Wasser – Didiers schicksalhafte Leidenschaft


Didier Pironi war schon seit seiner Jugend dem Wassersport verbunden. Er war Universitätsmeister über 100m Freistil, fuhr Wasserski oder genoss das Leben an Bord der Yacht seiner wohlhabenden Eltern

Noch während seiner Zeit in der Formel 1 war Didier Pironi quasi nebenher auch der französische Generalimporteur für italienische Abbate Rennboote und Lamborghini Bootsmotoren.





Während der Rekonvaleszenz nach seinem Unfall in Hockenheim 1982 beschäftigte er sich wieder verstärkt mit dem Thema Motorboote und gründete dafür in St. Tropez die Firma "Euronautique-Leader". Auf 1,5 Hektar Land entstanden 5000 qm Hangars für die Reparatur und Überwinterung von Booten. Neben dem Verkauf und der Wartung von Rennbooten setzte Leader in der Saison 1986 auch drei Boote in der Offshore-Europameisterschaft ein, ein Abbate 41 mit Didier an Bord, ein Conquest 39 (Rocky) und ein Cigarette 38. Alle drei Boote wurden von Lamborghini Motoren angetrieben. Didier hatte die Saison 1986 gefahren, um sich in der Szene gewissermassen "umzusehen", lernte auch gleich die unangenehmen Seiten des Sports kennen, als er sich gleich bei seinem ersten Rennen bei Villanuova in Spanien bei einem Unfall vier Rippen brach.

1987 trat Didier zusammen mit seinem Navigator Bernard Giroux, mit Ari Vatanen zweifacher Sieger der Rallye Paris-Dakar, und dem sogenannten "Throttleman" Jean-Claude Guénard, einem ex-Ligier Ingenieur, in der Weltmeisterschaft an. Das Boot, die "Colibri" war revolutionär. Komplett aus Karbon und Kevlar war es das leichteste Boot der ganzen Meisterschaft, gebaut auf der französichen Werft ACX.







Anfang August 1987 dann der erste grosse Erfolg - die Midial-Colibri-Crew gewann den Lauf bei Arendal in Norwegen, Pironi und sein Team wurden zum Favoriten auf den EM-Titel. Unter den Glückwunschtelegrammen war auch eines von Enzo Ferrari, was Didier besonders berührte.








Voller Optimismus fuhr man nach England, zur Veranstaltung vor der Isle of Wight. Schon kurz nach dem Start ist die 'Colibri' unter den ersten fünf, nach wenigen Minuten bereits auf Rang zwei.
Im Verlaufe des Rennens kommt es zu einem Duell zwischen der 'Colibri' und der italienischen 'Pinot di Pinot', pilotiert von Renato della Valle. Die beiden Boote näherten sich einer Boje an der gewendet werden musste, die 'Colibri' auf dem zweiten Platz. Nicht weit entfernt fährt der kleinere Esso-Tanker 'Avon'.

Um nach der Wende vorn zu sein, nahm die Mannschaft der 'Colibri' das Gas kaum zurück, fuhr aber trotzdem eine engere Linie um die Boje als die 'Pinot di Pinot' und traf dabei auf eine der Wellen, die der Tanker vor sich her schob. Plötzlich war die extrem leichte und damit instabile 'Colibri' in der Luft, überschlug sich und fiel verkehrt herum ins Wasser zurück, Wasser, das bei diesen Geschwingkiten hart wie Beton ist. Die drei Insassen waren sofort tot, das Boot fast unbeschädigt. Die leblosen Körper von Didier Pironi, Jean-Claude Guénard und Bernard Giroux wurden von einem Marinehubschrauber auf die Insel Wight gebracht.

Didier Pironi wurde wenige Tage später in Grimaud, in der Nähe von St.Tropez zu Grabe getragen, er hinterließ seine Frau Catherine, schwanger mit Zwillingen.


Die 'Colibri' wurde geborgen, mit einer Art Hardtop versehen und später gerüchteweise von Jean-Pierre Jarier, aber auch vom Perrot-Feeler Team eingesetzt. Sie wurde dann schließlich in den Leader Hallen in St.Tropez eingelagert, weil das Karbon begonnen hatte, sich aufzulösen. Mittlerweile wurde sie restauriert und ist jetzt im Manoir de l'Automobile in Lohéac, Frankreich, ausgestellt.
(siehe auch separater Artikel im Archiv).



Die folgenden Fotos zeigen ein Boot des gleichen Typs wie die 'Colibri', allerdings mit einem Rumpf aus GFK. Das Boot befand sich seinerzeit im Aufbau und sollte mit Mercruiser Motoren bestückt werden.